Ich habe nun mittlerweile weit über 1000 Bewerbungsfotos für Köche, Astronauten-Anwärter, Ärztinnen, Buchhalter, Kommunikationsleiterinnen, Militär Instruktoren, Anwaltspraktikantinnen, Lehrer, Bäcker, Sozialpädagoginnen, IT-Fachleute, TV-Moderatorinnen und Studenten aller Fachrichtungen sowieso erstellt. Unglaublich spannend, wer sich wie, wann und wofür vorbereitet. Ein paar Sachen bleiben meist gleich; z.B. dass die allermeisten Leute nicht gerne Fotos machen und das Thema Bewerbungsfotos jetzt halt mal erledigen müssen. Man muss halt, um diesen einen *%& Job hoffentlich zu bekommen.
Was sich ändert, ist, wie man die Sache angeht. Ich weiss du machst das meist zum ersten Mal – und gar nicht gern 😉 Aber überlebt haben es bisher eigentlich die meisten. Ein paar Tipps gebe ich gerne, mach dir aber selber auch noch kurz ein paar Gedanken (oh das war ja schon ein erster Tipp…)
Eins vorneweg:
Denk daran: das Foto ist nicht für mich, sondern für dich, bzw. geht auf direktem Weg inkl. CV und Bewerbungsdossier an die Personalabteilung und dann an den möglichen nächsten Chef:in.
Darum mein wichtigster Tipp: mach dir für das Fotoshooting die gleichen Gedanken wie für das Bewerbungsgespräch selbst – was Aussehen und Outfit angeht. Da überlegt man sich ja auch, was man anzieht, wie man aussieht und wie man daher kommt.
Ich erlebe es immer wieder, dass man so einen Fototermin nicht so ernst nimmt und das halt möglichst schnell erledigt. Aber wenn man schon ein professionelles Foto macht, dann lohnt es sich doch, das Optimum herauszuholen. Es mag „nur ein Föteli“ sein, aber im Personalbüro wird es genauer angeschaut als dein Lebenslauf…!
Und noch eins:
Verstelle dich nicht! Nur weil man denkt, für ein Foto muss man speziell sein.
Trag die Brille auch auf dem Foto, wenn du sie sonst jeden Tag anhast und alle Leute dich so kennen. Zieh nicht plötzlich ein blaues Hemd an, wenn du sonst ganz in schwarz rumläufst. Haare und Rasur müssen auch nicht neu erfunden werden, höchstens etwas, ähm, optimiert.
Ausnahme: der Beruf erfordert es, z.B. Flight Attendant oder ähnliches. Da durfte ich auch lernen, was die Airlines so verlangen bezüglich Haare, Schminke und so.
Denk dran: Beim Vorstellungsgespräch hat das Gegenüber ein Dossier mit deinem Lebenslauf vor sich. Die Person auf dem Foto soll möglichst die Gleiche sein, wie die, die auf dem Stuhl vor einem sitzt.
Kleidung
Verstelle dich nicht und sei möglichst du selbst, auch bei der Kleidung. Ziehe etwas ähnliches an wie beim Vorstellungsgespräch. Etwas detaillierter empfehle ich:
– Gebügelte Kleidung find ich persönlich meistens besser als Falten. #weischwasimeine
– Alte Hemden erkennt man häufig am Kragen. Ein neuer Kragen ist sehr spitz und sauber, ein alter Kragen aber v.a. rund, abgewetzt, nicht mehr schön. Nimm doch deshalb nicht das älteste Hemd, oder bügle zumindest den Kragen noch.
– Passende Grösse: Nicht selten ist das Hemd oder das Jacket zu gross oder zu klein, weil man so Sachen ja sonst nie anzieht. Ja, ok, mag schon sein. Aber probiere es bitte trotzdem zu Hause kurz an und optimiere, wo nötig.
– Frauen achten auf den Ausschnitt oder transparente Blusen. Möglicherweise ist eine Halskette ein willkommenes Accessoire.
– Farben: schwarz/weiss find ich ok, aber nicht perfekt. Ein Anthrazit und hellblau würde ich da eher bevorzugen. Gegen knallige Farben habe ich nichts, wenn es zu deiner Persönlichkeit passt. Sei dir der Wirkung bewusst. Ganz kleine, karierte Muster können auf Fotos unschöne Artefakte verursachen.
– Dass Flecken nicht erwünscht sind, dürfte (eigentlich) klar sein. Dazu gehören auch Schweissflecken, die man durch weniger Stress (auch Eile ins Fotostudio) verhindern kann, oder Haare / Hautschuppen / Fusel auf dunklen Oberflächen bzw. ausgewaschene Kleidung.
– Krawatte: muss nicht sein, bzw. immer weniger; auch bei Banken und Anwälten sehe ich einen Trend zu eher lockerer und unkomplizierterer Kleidung. Im Key Account, Hotellerie oder so Sachen vielleicht eher noch. Aber du kennst dein eigenes Business am besten. Mit Hemd/Bluse und Jacket liegt man selten falsch.
Haare
Eine haarige Sache. Du kennst dich auch bezüglich Haare selber am besten; ich rede da nicht so gern rein.
– Wichtig: viele Leute waschen sich kurz vor dem Shooting die Haare. Das ist bestimmt gut gemeint und kennt man vom Ausgang her und so. Aber häufig – je nach Haar, führt das so zu einer Art fliegenden Haaren; wie wenn sie elektrisch geladen sind. Meistens ist das am Tag danach weniger der Fall. Oder dann evtl. mit etwas Gel/Wachs die Haare „beruhigen“. Oder denn Coiffeur fragen.
– Ab und zu fällt der Satz; „Jaaa, ich wollte ja noch zum Coiffeur. Aber…“ Wieso aber? Mach es doch! Termine lassen sich immer auch mit dem Coiffeur prima verbinden. Von meiner Seite her kein Problem. Denk dann aber an den vorherigen Punkt mit den „fliegenden Haaren“.
– Bei langen Haaren stellt sich immer die berühmte Frage: wohin damit? Nach hinten? Nach vorne? Nur auf der linken Seite vorne? Oder eben nur auf der rechten Seite vorne? Hmmm… Probier das doch mal kurz zuhause aus. Da haben alle so ihre Präferenzen, mir spielt das eigentlich keine Rolle. Das Einzige, was ich dazu sage, bzw. empfehle: v.a. wenn man viele und sehr lange Haare hat, sieht es meistens weniger gut aus, wenn alle Haare (also links und rechts) nach vorne gerichtet sind. Das Gesicht soll im Zentrum stehen.
Aber äbe: „es chond druuf a“.
Brille ja oder nein
Diese Entscheidung möchte ich dir überlassen. Fotografieren kann ich beides. Ich finde es wichtig, dass man auf dem Foto im gleichen Stil auftritt wie im echten Leben bzw. beim Vorstellungsgespräch. Du selber weisst am besten, ob du eher mit oder ohne Brille auftrittst, bzw. arbeitest.
Eine Brille kann je nach Modell sehr charakteristisch wirken. Sei dir dessen bewusst.
Haut
Die Haut steht bei einem Portraitfoto natürlich speziell im „Fokus“.
– Nichts gegen Ferien und Sünnelen, aber ein Termin direkt nach zwei Wochen Strandurlaub oder Tag auf der Skipiste ist meist nicht optimal. Es kam tatsächlich schon vor – darum sag ich’s – dass freudig und begeistert über verdiente Erholung bei 1-Woche-Dubai-Urlaub erzählt wurde. Super, mag ich euch gönnen, aber unsere Gesichtsfarbe ist nach 7 Tage à 40 Grad halt schon nicht mehr so typisch Schweizerisch / fototauglich. Auch der 12-h-Arbeitstag oder die grosse Party am Vortag empfehle ich nicht unbedingt. Dies sollte deshalb auch bezüglich Termin beachtet werden. Danke schon mal dafür.
– Glänzen kannst du später im Job. Aber wenn die Haut glänzt, ist das weniger gut. V.a. im warmen Sommer ist das ein Thema, auf das ich gerne hinweise; oder je nach Hauttyp. Ein kurzes abpudern à 30 Sekunden kann 30 Minuten Photoshop ersetzen. What’s your choice? äbe. Bei Frauen ist das Thema abpudern meist kein Problem. Für Männer mag so make-up-Züüg fremd klingen. Aber keine Sorge. Es tut nicht weh und man sieht auch nichts. Es geht primär nur ums „mattieren“, aka Glanz reduzieren. Die im Fernsehen machen und überleben das ja auch. Alles gut. Lasst euch dazu gerne von der noch besseren Hälfte beraten. Ich habe zur Not auch etwas an Lager.
Und dann noch dies: Es gibt nun mal die berühmten Hautprobleme, ich selber kann da auch ein Liedchen singen. Man kann gewisse temporäre Pickel oder Hautrötungen optional mit Bildbearbeitung korrigieren. Muttermale und Narben u.a. gehören aber zu einer Persönlichkeit. Sei hier realistisch, stehe dazu und sprich das Thema an falls nötig.
Photoshop – Bildoptimierung vs. Retusche
Ja das berühmte Thema Photoshop kommt immer, ständig und jedes Mal zur Sprache. Alle Bilder, die ich abliefere, werden „optimiert“. Das heisst es werden Optimierungen bezüglich Zuschnitt, Belichtung, Farbe, Kontrast u.ä. gemacht. Hier gibt es einige Standardeinstellungen und wenige individuell zu korrigierende Farb-Werte.
Retusche ist ein ganz anderes Thema. Hier werden oft die berühmten – angeblichen – Falten, Augenringe, Hautunreinheiten oder Mängel bei der Kleidung thematisiert. Ein Foto zu retuschieren bedeutet optionale Arbeit als erweiterter Prozess eines Fotoshootings und ist nicht einfach so inklusive. Wenn du dies möchtest, schauen wir dies separat an.
Termin
Buche gerne deinen Termin im online Booking-Tool. Hast du schon? Super, herzlichen Dank 😉
– Mach den Termin am besten frühzeitig, und nicht am letzten Tag „noch schnell es Föteli“.
– Nimm dir genug Zeit. Stress ist weniger gut fürs optimale Foto, auch wegen dem Schwitzen und so. Es gab schon Leute, die im Sommer bei 30 Grad auf den letzten Drücker angesprintet kamen, um ja pünktlich zu sein. Letzteres schätze ich zwar schon, aber ein durchgeschwitztes Hemd und hochroter Kopf ist dann schon nicht so förderlich fürs gute Bewerbungsfoto. Da nützt dann auch abpudern nichts mehr.
– Und nicht zuletzt haben wir ja auch immer öfters Verkehrschaos in Luzern zu Feierabend. Der Parkplatz vor dem Fotostudio steht dir zur Verfügung, der Weg dorthin musst du selber planen.
Beispielbilder
Hast du mal irgendwo ein Bild gesehen, dass dir gefällt? Kein Problem, einfach mitnehmen! Oder vorher senden. Dann können wir dieses oder etwas noch besseres erarbeiten.
Tipps fürs Outdoor-Shooting
Draussen mache ich mindestens so gerne Fotos. Aber wir sind da halt etwas wetterabhängig. Wind und Regen ist genau so unvorteilhaft wie eisige Kälte oder 35 Grad. Da wir in der Schweiz das Wetter nicht selten verfluchen, gilt es insbesondere ein outdoor Shooting für Bewerbungsfotos frühzeitig zu planen, um allenfalls einen Termin noch zu verschieben, wenn der Petrus dann halt gerade nicht will.
Die Location macht’s. Und ich bin immer auf der Suche nach neuen Locations. Es gibt rund ums Tribschengebiet, wo ich zu Hause bin, einige coole Shooting-Plätze. Auch in der City, Horw, Kriens usw. gibt es Möglichkeiten. Du kannst sehr gerne Lieblingsplätze vorschlagen, wo wir das Shooting machen können.
Wichtig finde ich in diesem Zusammenhang vor allem, dass man sich überlegt: soll es eher urban wirken oder in der Natur mit viel grün, in der lebendigen Stadt mit Verkehr und Passanten, oder Industrie-mässig, mit ruhigem Wasser im Hintergrund oder eine Backsteinmauer mit Retro-Charakter.
Alle diese Tipps und Tricks bzw. Gedanken kannst du dir vorgängig machen. Wichtig dabei ist die Überlegung: wie will ich mich zeigen und wahrgenommen werden? Eine Yoga-Lehrerin hat vielleicht eher ein Bezug zur Natur und Wasser als ein Architekt, dem ich mehr Beton, abstrakte Formen und Linien im Hintergrund zutrauen würde. Beides setze ich gerne um für euch.
Ich höre oft „ja sag du, du bist der Profi“. Das kann ich bezüglich Fotos zwar nicht abstreiten. Aber es ist gerade bei Fotos nicht unbedingt entscheidend, wer der Profi ist. Sondern vor allem: was gefällt. Die Aufgabe vom Fotografen ist es einerseits, die Wünsche vom Kunden umzusetzen. Dazu dürfen und sollen sehr gerne die eigenen Vorstellungen eingebracht werden. Andererseits versuche ich zu unterstützen, wenn keine Vorstellungen da sind. Dann bringe ich Vorschläge, Optionen, Varianten, Möglichkeiten, und so. Das beste Foto entsteht immer beim gegenseitigen Austausch und somit: Team-Arbeit!
Dies ist eine Sammlung von Tipps, die gerne mitgeben möchte. Es gab diesbezüglich schon tatsächlich Vorkommnisse, wo gedacht wurde, dass „man“ (also Ro“man“) dies dann schon Photoshoppen kann und man sich darüber keine Gedanken machen müsste. Ganz so doll ist dieser Mythos Photoshop dann aber doch nicht.
Und zum Schluss mein Wort zum Sonntag:
Das Foto ist der erste Schritt im Bewerbungsprozess – zusammen mit dem CV. Der Letzte ist hoffentlich die Unterschrift vom Vertrag. Dazwischen folgen ein paar weitere wie erstes Telefonat, Bewerbungsgespräch, Assessment und so weiter. Mein wichtigster Tipp nach all den über 1000 Bewerbungsfotografierten: Nimm alle Schritte bis zu diesem grossen Ziel gleich ernst, auch der dieser Erste – die Brücke zum Zweiten. Das sage ich deshalb, weil ich es ab und zu erlebe, dass dieses „Föteli“ nicht so ernst genommen wird und dies sich zeigt bezüglich schmudlige Kleidung, Frisur die es nötig hätte, Termin nicht ernst nehmen und so weiter.
Hier hast du sogar mehrere Anläufe zu gut und wir knipsen, bis wir dein Lieblingsfoto haben. Bei den anderen Schritten hast du nur einen Versuch. 😉 Amen